Wisst ihr, was ich niedlich finde? Die Knirpse heute in der Schule, die mich aus einem Meter Höhe anschauen und „Csókollom!“ krähen – was soviel wie das österreichische „Küss die Hand“ heißt. Niedlich! Dabei wissen die noch nichtmal wirklich, was sie da sagen – die Eltern bringen den Kindern einfach bei, das als respektvolle Grußformel zu verwenden.
Auch witzig: Die Lehrerin (wie mir heute aufgefallen ist) wird zumindest in der Grundschule nicht mit „Frau Sowieso“, sondern mit Vornamen angesprochen: Ica-néni, was soviel heißt wie „Tante Ica“. Dabei gibt es hier auf dem Gelände etliche „bácsis“, etwa „Sáni-bácsi“, „Béla-bácsi“ und mindestens einen oder zwei andere. Das bedeutet „Onkel“. Man nennt einfach alle älteren Leute, vor denen man Respekt hat, „Onkel“ oder „Tante“.
Dazu haben die Ungarn eine absolute Spitznamenwut! Einer der Arbeiter, der Mann meiner Ungarisch-Lehrerin, heißt zum Beispiel „Fleischer“ mit Spitznamen. Dann gibt es aber auch noch den „Dean of Students“ namens „István – Stefan“, der aufgrund seines Körperbaus aber nur „Hosszú – Lang(er)“ genannt wird. Selbstverständlich wird jeder, dessen Vorname zweimal vorkommt, ebenfalls mit einem Spitznamen zur genaueren Spezifizierung versehen. So ist da zB „Vírág-Réka – Blumen-Reka“, die von „Simó-Réka“ (das ist schlicht der Nachname) unterschieden werden muss.
Kaum nötig zu erwähnen, dass auch ich nicht ungeschont davon gekommen bin. Weil ich es hasse, Benjamin genannt zu werden (wenn man es Englisch ausspricht), habe ich die Amerikaner gebeten mich „Ben“ zu nennen. Den Ungarn war das allerdings wurscht, die kamen recht schnell auf „Beni“, was inzwischen auch die Amerikaner übernehmen. Dann gibt es da noch Simó-Réka, die es niedlich fand, mich „Benji“ zu taufen, und ein Vierteldutzend Nachahmer. Dann gibt es da noch einen Haufen Studenten, die mich nur „German“ nennen (was ich in Hinsicht auf die Identifikation anhand des Spitznamens nicht für logisch oder hilfreich halte, denn tatsächlich bin ich einer von sechs Deutschen hier) – und einige, die diesen Term auf „Germ“ abgekürzt haben. Und tatsächlich gibt es sogar einige, die es schick finden, mich bei meinem vollen, deutsch ausgesprochenen ersten Vornamen zu rufen.
Ansonsten möchte ich euch noch einige Verben vorkonjugieren, um euch zu zeigen, wie abgedreht diese Sprache ist. Bisher haben wir aber nur die indefinite Konjugation im Indikativ Präsens gelernt – ich weiß noch nichtmal, was sie von der definiten unterscheidet.
(Beim ersten Mal werde ich die (eigentlich nicht nötigen) Personalpronomina dazuschreiben…)
próbálni – versuchen
én próbálok
te próbálsz
ő próbál
mi próbálunk
ti próbáltok
ők próbálnakénekelni – singen
énekelek
énekelsz
énekel
énekelünk
énekeltek
énekelnek
Es wird deutlich: Die Endungen unterscheiden sich, je nach dem, ob die im Wort vorkommenden Vokale helle oder dunkle sind – die dunklen sind a, á, o, ó, u, ú, die hellen der Rest: e, é, i, í, ö, ő, ü, ű (es gibt kein „ä“ – dazu hat es schließlich das „e“!). Bei dunklen Vokalen kommt immer die erste Konjugation zum Einsatz. Bei Hellen kommt es darauf an, ob Umlaute enthalten sind, also ö, ő, ü, ű. Dann ändert sich die zweite Person Plural der Hellen Konjugation von „-tek“ zu „-tök“ und ich glaube, es verändern sich noch ein oder zwei andere Personen (ich glaube, 1. Sg. ersetzt das „e“ durch „ö“). Dazu gibt es noch Sonderregeln, etwa wenn der Wortstamm (also der Inifinitiv minus „-ni“ auf s, z, sz, zs und ich schätze auch auf cs endet. Die Konjugation lautet in diesem Fall (natürlich immer von den Vokalen abhängig)
kérdezni – fragen
kérdezek
kérdezel (-öl, -ol je nach Vokalen)
kérdez
kérdezünk
kérdeztek
kérdeznek
Wieder anders verhält es sich mit Verben, deren Stamm entweder mit zwei oder mehr Konsonanten endet oder auf „-ít“ – da müssen im Infinitiv, in der 2. Ps. Sg., 2. Ps. Pl. und 3. Ps. Pl. nämlich Bindevokale eingefügt werden, damit sich das Wort leichter sprechen lässt. Je nach Vokalen ist das „e“, „a“ (Inf.; 2.Sg.), „ö“, „e“, „o“ (2.Pl.), „a“, „e“ (3.Pl.).
Die Konjugation lautet also etwa:
mondani – sagen
mondok
mondasz
mond (=Wortstamm)
mondunk
mondotok
mondanak
Zu guter letzt ist da außerdem die (eine?) Sonderform, die wir bisher gelernt haben: Wörter, deren 3. Ps. Sg. nicht gleich dem Wortstamm endet, sondern mit „-ik“. Da ist zum Beispiel „enni – essen“ mit „eszik – er/sie/es isst“. Das Verb wird nicht anhand dem Infinitiv minus „-ni“, sondern anhand der 3. Ps. Sg. minus „-ik“ konjugiert, zusätzlich verändert sich die 1. Ps. Sg. von „-ok/-ek“ zu „-om/-em“. Und wenn die „s“-Regel zum Zuge kommt, verändert sich selbstverständlich auch die 2. Ps. Sg. Und wenn der Wortstamm auch gleich noch mit zwei Konsonanten endet, müssen selbstverständlich Bindevokale eingefügt werden. Aber von diesen Verben erzähle ich euch morgen, weil ich meine Hausaufgaben noch nicht gemacht habe und die Konjugation deshalb noch nicht kann.
Jó ét!