Abgesehen von dem Umzug und, äh, viel Arbeit und dem Unterricht war Woche 1 pretty cool. Der Unterricht war deshalb doof, weil meine drei Schüler verschiedene Leistungsgrade hatten und wir nicht immer das Richtige für alle hatten plus: ein Mädchen war zum fünften Mal in Folge hier und war eigentlich nur noch durch komplett neu Erfundenes zu begeistern.

Dazu kam, dass ich manchmal nicht die richtigen Ideen hatte (die kamen dann zum Glück von Petra – siehe das Bild unten) und mich erst daran gewöhnen musste, Stoff zu behandeln, der den Kindern komplett neu war.

Die beiden Linken sind zum Glauben gekommen, wobei Betti vor Rührung wiederholt geheult hat*. Csaba, der aus dem Dorf ist, hat versprochen, zur Kinderstunde zu kommen… Anni, das Mädchen rechts, ist diejenige mit der vielen Freizeiterfahrung. Ob sie sich schon früher mal entschieden hat oder nur wegen des Deutschunterrichts kommt, weiß ich nicht. Für sie kann immerhin auch gebetet werden!
Der Umzug war das letzte, was ich mir leisten konnte. Er hat aus anstrengenden Tagen mit wenig Freizeit eine absolut kräftezehrende Woche voller Strapazen und Unannehmlichkeiten gemacht. Wie ich schon schilderte, hat sich niemand darum gekümmert, ob ein Umzug unter der Woche überhaupt machbar ist und ob die Situation das überhaupt zulässt. So war ich wegen der Arbeit sowieso schon mehr eingespannt als sonst – und trotzdem wurde von mir erwartet, bis Donnerstag, dann bis Freitag und letztlich bis Samstag (die Frist wurde immer verschoben, immerhin) auszuziehen und mit den Kameraden die Baracke tipptopp zu putzen. Die Hauswirtschaft hat sich nicht darum gekümmert (was okay war), irgendjemand hat jedoch entschieden, dass sie sich auch nicht um den Zustand des neuen Hauses kümmern müssten (was ganz und gar nicht okay war!).
Der Haupteindruck, den diese Woche 1 hinterlässt, ist dass Wort des Lebens Ungarn scheinbar von allen verlangt, möglichst nach ihrem Plan zu funktionieren – egal wie schwer dies für sie wird, und ohne diese Pläne vorher gründlich zu durchdenken. Dabei wird ständig improvisiert und es werden spontane Entscheidungen getroffen, die aber nicht genauso spontan zurückgenommen oder abgeändert werden können. Aufgrund der in Ungarn verwurzelten Sicht von Hierarchie denkt niemand selbst, sondern alle rennen zu ihren Vorgesetzten, um sich Anweisungen geben zu lassen – denn diese würden jeden Versuch von Eigeninitiative sofort als Konkurrenz betrachten und abwürgen (nicht speziell hier, aber so funktioniert das halt in Ungarn). Hier sieht man einige schmerzliche Spätfolgen der undemokratischen und unfreien Republik, die Ungarn noch in den 80ern war.
Den Zustand des Hauses habe ich bereits anderweitig beschrieben. Zum Glück konnte ich ihn – hauptsächlich in Eigenregie – noch etwas verbessern.
Dem langen Weg zum Schloss, den ich immer noch nicht leiden kann, habe ich jetzt immerhin Paroli geboten, indem ich mir ein Fahrrad besorgte – es gibt nämlich sowohl einen Fahrradschuppen als auch einen geräumigen Dachboden mit mehr als 20 Fahrradwracks. Aus dem Fahrradschuppen bekam ich jemandes altes Fahrrad, dem nur der Sattel und das vordere Reifenventil fehlten. Das (und eine Fehleichung des Hinterrads) hab ich inzwischen repariert gekriegt (mit tatkräftiger Hilfe von Zweien unserer Arbeiter, bei denen ich mich ganz herzlich bedanken möchte). Jetzt brauche ich noch ein neues Lager für die Pedale und eine Lösung, um den Sattel endgültig zu fixieren, dann kann man schon fast von einem tatsächlich funktionierenden Fahrrad sprechen. Béla hat mir immerhin erneut seine Hilfe angeboten und will sich morgen das anschauen, was ich allein nicht hingekriegt habe.
Ansonsten war die erste Woche eben wegen der anderen Sprach- und Sportlehrer toll, mit denen man was machen konnte. Inzwischen hat die zweite Woche begonnen, aber die einzigen neuen Lehrer sind mindestens in den Sechzigern, während die alten fort sind – ein Jammer.
Bin gespannt, ob mir diese Woche besser gefällt als die letzte!
*(sie hatte also keine schwere Zeit, wie vorher vermutet)
„[...] wobei Betti vor Rührung wiederholt geheult hat*“
Erinnert mich ein wenig an die Trailer, die ich von „Jesus Camp“ gesehen habe…
Aua. DAS war unqualifiziert!
Lass mich dir was sagen: Ich habe Jesus Camp gesehen. Der Punkt an dem Film ist, dass da einige Charismatiker in den USA Kinder für politische Zwecke indoktrinieren und mobilisieren. Ich weiß, in den Trailern sieht man das nicht so genau, aber das ist die Hauptaussage. Die Trailer sollen nämlich mit schockierenden Charismatiker-Bildern provozieren, sodass man sich den Film anschaut. Das ist ein völlig anderes Thema.
Dass jemand vor Rührung weint, weil er plötzlich Gottes Gnade versteht, ist etwas ganz Gewöhnliches. Ich meine – nicht für immer sterben, sondern in Gottes Gegenwart ewiges Leben haben? Und zwar, weil Gott sich aus Liebe zu einem seiner Geschöpfe machte und sich von seinen anderen Geschöpfen einen Stellvertretertod töten lässt? Das kann auch ein Kind verstehen und ich bin sicher, dass es sehr viele Erwachsene gibt, die bei ihrer Bekehrung in Tränen ausbrechen.
Mein Vater, Jahrgang 1927, der 1951 zum Glauben an Gottes rettende Gnade in Jesus Christus kam, konnte auch noch mit 80 Jahren nur mit tränenerstickter Stimme und völlig überwältigt davon reden, wie barmherzig und gnädig Gott war, dass er ihn völlig verdienstlos gerettet hat. Dabei war er völlig uncharismatisch… und inzwischen ist er, nach seiner und meiner Überzeugung, bei Jesus angekommen.
„Who put the grace in the grace? Who put the faith in the faith? Who put the love in the love? Who put the hope in the hope? Who was that man? Iwant to shake his hand, for he gave his life, and he died for you and me! (Wer machte aus Gnade echte Gnade? Wer machte aus Glauben sinnvollen Glauben? Wer machte aus dem Wort Liebe echte Liebe? Wer machte aus leerer Hoffnung echte, erfüllte? …..Ich möchte ihm gerne die Hand schütteln, weil er sein Leben für mich gab…)
Ich denke, dass Tränen ein Zeichen dafür sein können, dass man erkannt hat, wovon/wovor Jesus einen wirklich gerettet hat. Tränen der Dankbarkeit. Die hab ich auch schon mal vergossen.