Wer mein, hm, vorletztes Posting aufmerksam gelesen hat, dem wird schon etwas aufgefallen sein. Für alle, die’s noch nicht wissen, hier endlich die Klarstellung:
Jetzt, da mein FSJ in Ungarn zu Ende ist, werde ich erstmal zwei Monate in Deutschland verbringen und währenddessen einige Dinge tun, die ich schon lange vermisst habe. Danach werde ich zur Bibelschule nach Ungarn zurückkehren. Das wird etwa Mitte September geschehen. Dort werde ich mindestens ein Jahr bleiben und vielleicht ein zweites anhängen. Danach will ich, so der aktuelle Plan, nach Amerika gehen und am Moody Bible Institute studieren. Dieses Blog wird vorerst auf jeden Fall erhalten bleiben, selbst wenn der Bezug zu Tóalmás nicht mehr direkt besteht.
Manche mag dieser Schritt vielleicht verwundern, nachdem ich mich vorher so leidenschaftlich über das scheußliche Essen, die doofen Unterkünfte und die Mentalität der Leute beschwert habe. Hier sei erstens gesagt, dass man häufig die schlimmen Seiten viel eher erwähnt als die guten. So scheußlich und doof ich mein Jahr in Ungarn manchmal fand, so schön waren einige seiner anderen Aspekte, die das Leben dort durchaus erträglich und sogar schön machen können.
Zweitens ist zu bemerken, dass ich erstens überzeugt bin, dass jeder dort ernsthaft versucht, Gottes Willen zu tun. Wäre ich das nicht, würde ich auf keinen Fall zurückkehren, doch wo Gottes Wille getan wird, da lasse ich mich gerne einsetzen. Zweitens weiß ich, dass man ebenso ernsthaft versucht, Missstände zu beheben und manche Verhältnisse zu verbessen. Guter Wille ist also auch vorhanden.
Drittens glaube ich, dass das Jahr mit etwa 60 Studenten (im Vergleich zu <25 im vergangenen Jahr), einem Jahr vorher Zeit zum Einleben (das ich hatte) und der entsprechenden Vorbereitungen, die ich treffen kann, eigentlich nur besser werden kann als das letzte – oder sogar ziemlich gut. Natürlich werden lange nicht alle Kritikpunkte aus der Welt geschafft sein, aber ich kenne nun alle Schwächen und kann auf sie eingehen.
Trotzdem habe ich eine ziemliche Angst. Man wird mich dazu bringen wollen, im Gottesdienst tatsächlich feine Kleidung zu tragen (was ich auch gerne tun werde, sobald man mir die entsprechende Bibelstelle zeigt – das birgt halt schon Konfliktpotenzial). Nicht genug damit – die soll auch noch während des Unterrichts getragen werden!
Dann werde ich wesentlich weniger Rechte haben als zuvor. Damit umzugehen, wird sehr schwer werden.
Die theologische Doktrin ist sehr viel konservativer als meine. Verboten sind unter anderem Kino, Alkohol und Tanz, einige Punkte, die mich wirklich zum Kopfschütteln bringen. Andererseits ist das nichts, was man wirklich zum leben braucht…
Weiterhin gibt es da die Lernerei. Ich war nie ein sehr disziplinierter Lerner. Unglücklicherweise habe ich in der siebten Klasse festgestellt, dass ich so intelligent bin, dass ich die Schule auch ohne Lernen schaffe. Das wird jetzt zum echten Problem, weil es dort wöchentlich Tests gibt, auf die man lernen muss.
Und dann gibt es da noch das erste Fach: Persönliche Evangelisation. Eine tolle und nützliche Sache, wäre es nicht Usus, die Studenten im Anschluss nach Budapest auf die Straße zu schleifen und evangelisieren zu lassen. Abgesehen davon, dass ich eine Evangelisation, zu der eingeladen wird, einer vorziehe, wo wahllos Leute verwickelt werden (der Unterschied: im ersten Fall kommen nur die, die auch wollen), habe ich noch andere Bedenken. Ich bin Ausländer. Die meisten Ungarn können weder Deutsch noch Englisch und mein Ungarisch ist viel zu schlecht. Und mit Übersetzer…? Dazu kommt, dass Straßenevangelisation grundsätzlich wenig Erfolg hat. Natürlich kann es vorkommen, dass Gott einem genau die Leute über den Weg schickt, die eh schon seit langer Zeit auf der Suche sind, aber bei den meisten anderen wird man doch eher einen neutralen bis unseriösen Eindruck hinterlassen. Man kann einfach nicht mehr wie zu Paulus’ Zeiten auf der Straße predigen und es klappt. Ja, ich weiß, dass meine Einstellung nicht ganz richtig ist…
Diese beiden Punkte zusammen lassen mich das empfinden, was man im Englischen mit “It’s a pain in the neck” umschreibt. Ich habe, um ehrlich zu sein, am meisten Angst davor.
Wer sich nach Beten fühlt, darf das gerne tun. Ich kanns gebrauchen.

Hallo Benni,
Thanks for your comment! I am definitely going through a growing period and lots of things are happening that is making me wonder truly what will happen after I graduate in May. I still don’t know what it is, but I know that God will show me. I just have to listen!! While I was in Hungary, I definitely felt God changing my heart and telling me something. It seems that we are kinda in the same place, so to speak. I will be praying for you! Praying that He will show you His will for your life. It is hard to know sometimes, but He will make it known. And Moody Bible is great! I have a few friends that went and go there and really loved it and grew spiritually as well. I know you would do well. So what if some of your ideas and philosophies are “untraditional”….it wouldn’t make you Benni if they were. I don’t really disagree with anything you wrote and you should stick to them…ok this is longer than I anticipated and hopefully this made sense!
so keep on living on for the Lord like you do and He will do great things with your life! Du darfst gerne auf Deutsch in meinem Blog schreiben. Ich finde es auch kool, dass nur ich es verstehe
Die Angst vor der persönlichen Evangelisation kenn ich. Bei Campus für Christus wurde ich damals auch zu solchen Aktionen genötigt. Dabei habe ich festgestellt, dass mir diese Art der Arbeit nicht liegt, trotzdem bin ich froh, es mal versucht zu haben. Wenn man sich mal überwunden hat, kann es sogar richtig Spaß machen! Bei Campus für Christus hatte man damals einige Erfahrung mit dieser Form der Evangelisation, so dass ich aus dem Gedächtnis noch ein paar vielleicht nützliche Tipps weitergeben kann.
Predigen o. ä. auf der Straße halte ich für Unsinn, weil die Leute nicht lange genug stehen bleiben. Menschen persönlich anzusprechen, ist viel effektiver.
Die Chance für Gespräche ist da größer, wo die Leute bereits sitzen, als wo sie vorbeilaufen. Ein Park eignet sich prinzipiell besser als eine Einkaufsstraße.
Gruppen kurz beobachten und immer den oder die Wortführer ansprechen.
Einstiegsfrage: “Darf ich Sie stören?” (nicht “Haben Sie Zeit?”) Ein Nein akzeptieren!
Ein guter Gesprächseinstieg ist Gold wert und sollte gut vorbereitet werden. Bei Campus für Christus hatten wir zu diesem Zweck eine Umfrage dabei.
Kein Übersetzer! Einige werden gern mit Dir reden wollen, nur um ihre eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu trainieren. Das ist Deine Gelegenheit!
Bekehrungen sind bei solchen Gesprächen sehr selten, aber oft bekommen Deine Gesprächspartner wieder einen Anstoß, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Das ist sehr wichtig, da gerade diese Menschen diesen Anstoß vieleicht nirgendwo sonst bekommen können.