Halloho!
Bin wieder in Ungarn, seit dem 11. September! Ich hab wirklich lange nichts geschrieben, wie sicher jedem aufgefallen ist – tja, zuerst gab es nichts zu schreiben und dann gab es keine Zeit und keinen Computer. Jetzt, wo Tyler in Budapest ist, hab ich eine gute halbe Stunde an seinem PC, um mal wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben, bevor wir um drei Volleyball spielen gehen.
Am 09.09. gab ich ja eine kleine Abschiedsparty in meinem Garten. Die war insofern ziemlich cool, als viele Leute kamen und wir ne schoene Gemeinschaft mit leckerem Essen und Trampolinspringen hatten. Und jetzt sitze ich hier hemdsaermelig an einem amerikanischen Laptop und versuche, die Bruecke zur Gegenwart zu schlagen.
Am 11. September morgens um acht brachte ich meinen letzten Gast, Hanna, zum Zug und bemerkte eine Sekunde, nachdem ich die Haustuer hinter mir ins Schloss hatte fallen lassen, dass mir der Hausschluessel aus der Tasche gefallen war. Ungewaschen, -rasiert und mit nur vier Stunden Schlaf irrte ich durch den Ort, kam zeitweise bei Freunden unter und kam erst gegen 14.00 Uhr, als meine Mutter zurueckgekehrt war, wieder ins Haus. Das wirkte sich aeusserst nachteilig auf meine Zuverlaessigkeit beim anschliessenden Kofferpacken aus…
Abends ging der Flug und ich kam sicher in Ungarn an. Hier lebe ich mit zusammen mit sieben anderen internationalen Studenten (5 Amis, 1 Albaner, 1 Kanadier) in einem Schlafsaal und hatte schon ne Menge Spass mit ihnen. In den ersten Tagen vor der Immatrikulation am Freitag hatten wir nichts zu tun, und so verbrachten wir unsere Zeit mit Gitarren-Jamsessions und stundenlangen Volleyballspielen.
Insgesamt gibt es 40 Studenten im ersten Jahr und 11 im zweiten. Ich komme eigentlich mit allen gut aus, aber besonders in meiner Baracke, dem Schlafsaal Nemetorszag (”Deutschland”; Akzente fehlen wg. der Tastatur), ist es fantastisch. Wir sind wie Brueder. Dave James, der Direktor der Bibelschule, sagte neulich, er habe eine so grosse Studentengruppe noch nie so schnell zusammenwachsen sehen.
In den letzten Wochen waren wir mehrere Nachmittage lang bei Axel (dem deutschen Missionar), der sein Dach renovierte und dabei Hilfe brauchte. Wir beide waren ueberrascht, wie viele Studenten bereitwillig meinem Aufruf folgten und fleissig arbeiteten. Das tollste dabei war dann, auf dem Dachstuhl rumzuklettern und Ziegel weiterzureichen: Besser als jeder Kinderspielplatz und ein Heidenspass! Mein neuer Kumpel Steve und ich haben uns schon oben auf den Schornstein gestellt und Umschau gehalten…
In der ersten Woche hatten wir Unterricht in Personal Evangelism (Persoenliche Evangelisation). Mittwoch und Donnerstag hiess es dann, auf den Strasse von Ja’szbere’ny und Budapest das Gelernte in die Tat umzusetzen. Ich war in der kleinen Gruppe, die nach Ja’szbere’ny ging, was ein bisschen doof war, weil ich unbedingt nach Budapest zum einkaufen musste. Ich hatte mir naemlich ein paar Tage beim American Football meine Schuhe ruiniert und musste, weil ich auch noch meine Anzugschuhe zuhause vergessen hatte, dann tagelang in Schlappen rumlaufen. Sonst haette ich nur noch die Wahl zwischen Turnschuhen und Winterstiefeln gehabt… Erst gestern in Budapest (auf einer Kennenlerntour fuer Erstklaessler) konnte ich mir neue kaufen, die sich erst noch bewaehren muessen.
Anders als im vergangenen Jahr um dieselbe Zeit fuehlte ich mich diesmal sehr gut vorbereitet. Ich muss wohl in der Zwischenzeit auch viel selbstbewusster geworden sein, denn meine Angst, Fremde auf etwas anzusprechen, das sie laecherlich finden koennten, war verschwunden. Und so lief – nach dem ziemlich frustrierenden Erfahrungen im letzten Jahr – diesmal alles ziemlich gut. Ich konnte mit vielleicht ungefaehr 25 Menschen ueber das Evangelium sprechen, entweder auf Englisch oder mit Uebersetzer. Gleich einer der ersten hatte die Botschaft verstanden und nahm Jesus als den einzigen Weg in den Himmel an, doch wir konnten nicht mehr zusammen beten, weil er ziemlich ploetzlich zum Bus musste. Am naechsten Tag traf ich noch zwei langhaarige, schuechterne Rollenspieler-Typen (mit denen ich mich irgendwie identifizieren konnte), die beide zwar eine Entscheidung treffen, aber nicht gleich darueber beten wollten. Vermutlich war es ein bisschen viel, um es alles auf einmal zu verdauen.
Ich bin jetzt jedenfalls hochmotiviert, halte Strassenevangelisation fuer eine relativ simple Sache und will das vermutlich noch oefter machen. Gott hat meine Einstellung einfach komplett umgekrempelt!
Irgendwann in den vergangenen Zwei Wochen ist mir mein Gitarrengurt zerrissen oder besser: die Plastikschnalle irreparabel aufgeplatzt, und zwar als ich sie gerade in flottem Schritttempo verkehrt herum ueber die Schulter trug. Zum Glueck hat das gute Stueck den Sturz auf die Nase – wie schon etliche andere Blessuren zuvor – unbeschadet ueberstanden (vielleicht abgesehen von einigen weiteren Kerben). Mein einziges Problem ist jetzt, dass ich nicht mehr im Stehen und Laufen Gitarre spielen kann!
Letzten Montag fing der regulaere Unterricht an. Die beiden Faecher fuer jene und die kommende Woche (weiter hab ich den Stundenplan noch nicht durchgeschaut) sind Bible Study Methods (Methoden des Bibelstudiums) und Systematic Theology (Systematische Theologie), beides ziemliche Brocken und von ortsansaessigen Lehrern unterrichtet (anders als die meisten anderen Faecher, die von Gastdozenten in einer Woche durchgenommen werden). Ist bisher aeusserst interessant und ich bereue es nicht, hierhergekommen zu sein.
Tja, und gestern waren wir in Budapest. Aber von Budapest hab ich schon frueher erzaehlt, und so ungewoehnlich wars nicht, also werd ich darueber jetzt nicht noch mehr Worte verlieren.
Ich muss weg, die Jungs nerven mich schon, wann ich endlich zum Volleyball komme!

Hi Ben,
In diesem Sinne Gott befohlen und Auf Wiedersehn
das ist ja mal nett wieder was von dir zu hören und dann gleich noch sowas Gutes. Ich war gerade im Begriff dich zu fragen wenn du denn mal wieder etwas postest, aber siehe da schon passiert. Na dann hoffe ich mal das du dich da wieder gut einfindest in deiner neuen Rolle als Student. So wie du es hier schilderst scheint das ja aber kein Problem zu sein. Bin gespannt was aus dir mal noch wird