Ferien
Samstag, 29. März 2008 von alvanx
Bis nächstes Wochenende habe wir noch Osterferien, allerdings werden wir nur bis Dienstag in Deutschland sein. Am Mittwochmorgen fliegen wir zurück nach Ungarn. Im Folgenden ein kurzes Resümee der Ferien.
In der ersten Woche wollten Whitney und ich uns erstmal komplett freinehmen und Urlaub machen. Wir schliefen viel, kuckten ein paar Filme und machten Sachen mit Freunden. In der zweiten Woche wollten wir eigentlich mehr lernen, aber wegen Besuchs aus Ungarn sind wir dazu seltener gekommen, als uns lieb ist.
Die Gruppe aus Ungarn, bestehend aus drei Männern und zwei Frauen oder vier Amerikanern und einer Slowakin, kam am Mittwoch nach Mitternacht an (angepeilte Zeit: 21.00 Uhr) und blieben bis Freitagmorgen. Den Donnerstag verbrachten wir mit einer Tour durch Nürnberg, auf der ich den Fremdenführer spielen durfte. Wir arbeiteten uns vom Hauptbahnhof über die Lorenzkirche, den Hauptmarkt und das Rathaus zur Kaiserburg hoch und machten unterwegs im Bratwurst Röslein Rast. Von der Burg aus umrundeten wir den alten Stadtkern (teilweise per Straßenbahn) auf der westlichen Seite nach Süden (also gegen den Uhrzeigersinn), stiegen am Plärrer aus, kuckten uns ein wenig das Planetarium und Opernhaus an und kehrten wieder zum Bahnhof zurück.

Kaum erwähnenswert, dass Amis europäische Geschichte lieben. Eine Burg oder alte Kirche ist für sie ein Erlebnis, und ein mehrere hundert Jahre altes Gebäude kann schon mal Ausrufe des Erstaunens und der Bewunderung erzeugen. Deutsche Spezialitäten fanden sie leider nicht so prickelnd - und zwar weil sie nicht meiner dringenden Empfehlung gefolgt sind, ganz einfach ein halbes Dutzend+ Nürnberger Bratwürste mit optionaler Beilage zu bestellen. Sie fanden auch das Kopfsteinpflaster niedlich und dass alles so eng zusammen gebaut ist (Amerikanische Kleinstädte ziehen sich ja häufig sehr lange hin und bestehen vielfach aus etlichen verstreuten Gehöften oder Siedlungen - genug Platz ist ja immer da).
Amerikaner kennen und mögen übrigens keine Kohlensäure im Mineralwasser, und Rollladen finden sie höchst clever und mysteriös. Unsere magnetische Messerleiste (ein magnetisches Metallbrett, an dem Metallgegenstände einfach kleben bleiben) bewunderten sie. Einer der Besucher - der einzige, der kein Student in Ungarn, sondern eine Art Bauarbeiter irgendwo im Staat New York ist - fand außerdem unsere Türklinken und -scharniere toll (in Amerika scheint es hauptsächlich runde Türknäufe zu geben und man muss eine Tür abschrauben, wenn man sie aushängen will) und machte Bemerkungen darüber, dass die Rohre unsere Toiletten in der Wand und nicht im Boden verschwinden, was Wartung und Umbau erleichtert. Schöne neue Alte Welt! Die halten uns Deutsche jetzt jedenfalls für Liebhaber von Gadgets (=technische Spielereien). Wer weiß, ob ich die Türklinke meiner Zimmertür jemals wieder mit denselben Augen werde ansehen können? Naja, egal.Den Abend verbrachten wir dann übrigens in Elenas neuer WG, wo ihr erster Hauskreis stattfand. Wir aßen Spaghetti, hatten eine kurze Andacht und sangen dann Lobpreislieder, wobei besonders bemerkenswert ist, dass wir Deutschen - auf Bitte der Besucher - wohl an die 10 Minuten brauchten, um ein rein deutsches Lied zu finden, das wir ihnen vorsingen konnten. Es hätte weniger lange gedauert, wenn einige von uns kompromissbereiter gewesen wären…
Tja, seit gestern morgen können wir stolz aufatmen, einander zunicken und Dinge wie “Die wär’n wir los!” sagen. Ich bin sehr glücklich, dass ich meinen lieben Komilitonen eine gelungene Zeit in Deutschland gewährleisten und sie obendrein in die Wunder des Landes einführen konnte. Whitney und ich haben unsere Zeit seitdem jedenfalls hauptsächlich mit der Nase in unseren Büchern verbracht und bitten jeden um Verständnis, der gerne noch was mit uns ausgemacht hätte - hat leider nicht geklappt. Ich muss sagen, ich freue mich schon sehr darauf, manche von meinen Freunden einmal wiederzusehen, die ich weder in den Weihnachts-, noch in den Osterferien treffen konnte. Tut mir leid für euch alle - ich hoffe, es klappt ein andermal. Bitte seht das nicht als ein Zeichen, dass ihr mir nicht wichtig seid!
Ach, und wisst ihr was? Ich habe jetzt tatsächlich konkrete Pläne für meinen nächsten Rundbrief!
Ha, da könnt ihr mal sehen!
EDIT: Bilder davon gibt es hier.