Ich schätze, es ist Zeit für ein paar ausführlichere Erklärungen. Ihr wundert euch vielleicht, warum Whitney und ich uns verlobt, jedoch noch keinen Hochzeitstermin bekannt gegeben haben, und warum die Hochzeit denn jetzt so kurzfristig sein muss.
Whitney und ich wollen im Herbst nach Gießen in Hessen ziehen, wo ich ein MA-Studium an der Freien Theologischen Akademie starten möchte/werde. Whitney wird während dieser Zeit Gelegenheit haben, mit ihrer neuen Aufgabe als Ehe- und Hausfrau vertraut zu werden, unsere Wohnungseinrichtung zu ergänzen und einen ausgiebigen Integrationskurs (600St.) besuchen, der Voraussetzung für die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung ist.
Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg: Neben Kleinigkeiten wie der erfolgreichen Bewerbung, Zuschussbeantragung und Wohnungssuche in Gießen müssen wir zuerst einmal heiraten. Sobald wir uns auf dem Standesamt der Verwaltungsgemeinschaft Wilhelmsdorf/Hagenbüchach angemeldet haben, können wir dann unseren Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung (Grund: Ehe) einreichen. Der wird dann geprüft, Whitney erhält eine einstweilige Aufenthaltsgenehmigung, und sobald wir standesamtlich getraut sind, erhält sie aller Voraussicht nach eine einjährige Aufenthaltserlaubnis. Wenn sie den Integrationskurs besucht, wird diese nach einem Jahr um zwei weitere verlängert. Wenn sie am Ende dieser Zeit kein ALG II bezieht, bekommt sie eine Lebenslange Aufenthaltserlaubnis.
Zuallererst müssen wir uns jedoch beim Standesamt zur Eheschließung anmelden. Dazu brauchen wir allerdings verschiedene Dokumente, unter anderem ihre Geburtsurkunde mit Apostille. Das scheint eine Art Echtheitszertifikat für irgendein international gebrauchtes offizielles Dokument zu sein. Die Urkunde hatten wir schon, die Apostille ist in der Mache. Dazu musste alles nach Amerika geschickt werden, um von einer sündhaft teuren Privatagentur im Eilverfahren bearbeitet zu werden, weil das sonst Monate dauern kann. Wir erwarten die Unterlagen frühestens gegen Ende der Woche zurück, im Anschluss können wir zum Standesamt. Die Leute dort müssen Whitney allerdings erst eine eidesstattliche Erklärung abnehmen, dass sie noch nicht verheiratet ist, und anschließend müssen ihre Unterlagen vom Oberlandesgericht geprüft werden, was mehrere Wochen bis Monate dauern kann. Wenn ich also ehrlich bin, weiß ich noch nicht einmal, ob es mit einer Eheschließung im September was wird. Ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, dass das auch eine sehr doofe Situation für Whitneys Verwandte ist, von denen wahrscheinlich kaum jemand in der Lage sein wird zu kommen.
Wir können also viele Gebete gebrauchen. Dass alles rechtzeitig abgewickelt wird, dass in der Heiratssaison September noch irgendwann ein Terminchen für eine Hochzeit auf dem Standesamt zu finden ist, dass wir eine Wohnung finden, vielleicht sogar, dass ich zwischendurch noch was arbeiten kann… Ganz konkret hoffe ich, zukünftig im Internet Übersetzungsarbeiten erledigen zu können. Bitte betet dafür, dass ich Aufträge bekomme!
Ganz nebenbei hat Whitney übrigens einen Intensivkurs Deutsch angefangen und fährt jetzt viermal die Woche nach Nürnberg, wo sie 3 Stunden Deutschunterricht in der Bildungszentrale hat. Sie war in letzter Zeit ziemlich erschöpft, weil ihr Gehirn langsam auf Deutsch umstellt… Ich weiß noch, wie müde ich immer vom ganzen auf Englisch Denken war, als ich gerade in Ungarn angekommen war…
