Ein Wort über amerikanische Musikläden: Whitney fand es lustig, in Deutschland Rap und R&B als „Black Music“ gekennzeichnet zu finden. Dafür würde man in den Staaten wegen Diskriminierung verklagt… Was es hier in keinem noch so gut sortierten Plattenladen gibt, ist das Regal „Heavy Metal“ oder „Indie“. Stattdessen gibt es alles mögliche wie „Country“ oder „Christian/Worship“ (das würde mich aber auch in Deutschland nicht stören!). Erst im dritten Geschäft fand ich heraus, dass in Amerika Metallica, Dream Theater & Co. munter in die „Rock/Pop“-Sektion gemischt sind. Unglaublich ist das! Wie soll man denn da was finden, wenn man nebenbei noch alle Shania Twains und Justin Timberlakes aussortieren muss? Das alles ist ja noch irgendwie fassbar. Was mich aber völlig unvorbereitet traf, war die zufällige Entdeckung der CD von einer nur zu bekannten deutschen Teenie-Popgruppe: Tokio Hotel gibt’s jetzt auch auf Englisch. Und nach dem, was mir ein freundlicher Verkäufer erzählte, ist es in Amiland jetzt schon der letzte Schrei (Wortspiel, hehe!*). Ich habe mich daraufhin bei ihm im Namen des deutschen Volkes offiziell für Tokio Hotel entschuldigt. Er meinte, das sei schon okay. Amerika hätte sich schließlich auch noch nicht für George Michael und Kanada noch nicht für Bryan Adams entschuldigt.
Bisher hatten wir im Durchschnitt zweimal täglich Fast Food. Es ist einfach unglaublich, wie viele Schnellimbisse es hier gibt! Neben McD, BK, Subway und Pizza Hut gibt es Panda Express (Chinesisch), Whataburger, Denny’s (Am breakfast), Domino’s Pizza und zehntausend andere, und es gibt sie wirklich überall, egal ob im Einkaufszentrum oder an jeder Straßenecke. Kein Wunder, dass das Zeug so viel gegessen wird. Man kriegt es überall ohne Probleme und es ist deutlich billiger als in Deutschland. Ich kann es langsam nicht mehr sehen. Ich werde ein paar Tage das Mittagessen ausfallen lassen. Hab auch schon zugenommen.
Ansonsten schalten fast alle Autos automatisch. Alle Meile sieht man auf dem Highway abenteuerliche Brückenkonstruktionen. Auf drei Ebenen führt eine Brücke über die andere. Was bombastisch und gewaltig aussieht, ist nur die komplizierte amerikanische Version eines Autobahnkreuzes. Nicht alle Autos hier blinken gelb. Bei etlichen blinkt das Rücklicht rot. Viele Autofahrer blinken überhaupt nicht. Selbst bei rot kann man an einer Kreuzung rechts abbiegen, wenn die Straße frei ist. Allseits bekannt ist der amerikanische Sicherheitswahn – am Flughafen Memphis kam alle fünf Minuten eine Warndurchsage, dass die Sicherheitsstufe erhöht wurde und man alle verdächtigen Gepäckstücke einem Sicherheitsbeamten melden solle. An vielen Haustüren findet man drei Schlösser. Trotz allem scheren sich die guten Leute selten darum, ihre Haustüren auch abzuschließen – und die haben an der Außenseite Klinken, sodass man mühelos reinkommt. Selbst Autos werden selten abgeschlossen. Die meisten Türen haben tatsächlich drehbare Türknäufe. An praktische allen Fenstern sind dünne Rollos, die immer geschlossen sind und Höhlenstimmung verbreiten. Weil es dadurch so dunkel ist, brennt natürlich den ganzen Tag das Licht. Der Bürstenschnitt ist immer noch nicht ausgestorben. Viele Amerikaner kümmern sich nicht so sehr um Mode, obwohl Kleidung hier billiger ist. Und natürlich werden Getränke im Restaurant ohne Zuschlag in beliebiger Menge nachgefüllt (warum es trotzdem verschiedene Bechergrößen mit unterschiedlichen Preisen gibt, konnte mir aber noch keiner erklären).
Jetzt ist es Abend. Inzwischen waren wir in einem Gottesdienst. Viel ist nicht passiert, außer dass wir Pizza Hut hatten. Oh, und es wurden riesige rote Socken am Kamin aufgehängt. In die kommen wohl kleine Geschenke, wie ich das verstanden habe. Jetzt wurde gerade der neue HD-DVD-Player installiert und wir kucken einen Actionfilm. Später mehr! Muss kucken!
*Es ist immer peinlich, wenn man einen Witz erklären muss, weil man nicht sicher ist, ob ihn alle verstanden haben. In der Fußnote sieht das wenigstens nicht ganz so albern aus. Für alle, die es nicht so mit der Teenie-Band haben: „Schrei!“ ist der Name ihrer (1.?) CD. Die englische Version heißt „Scream!“

Hi Ben,
das mit den Bechergrößen ist doch ganz einfach: je größer der Becher, desto mehr passt rein. Je mehr reinpasst, desto mehr kann man trinken ohne aufstehen zu müssen …
Aber Spaß beiseite. Das ist ja nicht der wahre Grund für die verschiedenen Größen. Ist Dir noch nicht aufgefallen, dass es in jedem Fast Food Schuppen auch einen Drive In gibt?
Lieben Gruß aus dem kalten Deutschland
Klar ist mir das aufgefallen, und es ergibt so auch Sinn. Als ich mich allerdings über die verschiedenen Größen gewundert habe, war ich in einem Panda Express ohne Drive-In. Das hätte ich vielleicht noch erwähnen müssen…
hey ben!!
das heißt „indie“ =)
oh man… neid is ja nich gut… aber beneiden tu ich dich trotzdem!! ich will da auch hin!! weniger wegen den tollen und rießigen autobahnen und ff-restaurantes als viel mehr wegen den wolken und den billigen klamotten!!! nehmt ihr mich da mal mit hin, wenn ihr da euer sommerhaus habt
bitte?
lieber gruß und *drücka*
Hast recht! Ausgebessert!
Die Klamotten sind übrigens so eine Sache. Mode hier ist ein bisschen anders als in Deutschland. Ein bisschen „hinterher“, wenn du so willst, aber auch einfach anders. Das schwarz-lila Neopunkstyle findet man hier fast nirgends. Die Farbe der Saison scheint übrigens ein sattes royales Blau zu sein, nicht lila…
[...] zu verschwinden, wenn ich in Gießen nur rumnörgeln und nicht mitwirken kann! (Warum dazu gerade dieser Post verlinkt wurde, bleibt rätselhaft, weil ich Gießen darin nichtmal erwähnt habe.) Das nenne ich [...]